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nO-kavango

Es wird wohl ein ungelebter Traum bleiben, mein Besuch im Okavango, dem größten Binnendelta der Erde. Dafür lebe ich im Nationalpark Unteres Odertal, in dem der Fluss ein wenig Spielräume hat und die Natur noch immer reich sein darf. So auf Überflutungsflächen, dem Deichvorland. Wenn Fischen aller Größen hier nach einem Hochwasser der Rückweg in ihren Fluss abgeschnitten ist, das Wasser sinkt, werden sie zum gefundenen Fressen für eine bunte Gruppe gefiederter Jäger. Speerschnäbel, Sturzflieger, Tauchjäger veranstalten ein wildes Spektakel. In dieser angespannten Dimension habe ich das genau einmal erlebt. Natur, wie ein Regenbogen, ein Sonnenuntergang, spielende Damhirsche. Dabei in jeder Sekunde auf Leben und Tod – 24/7.

Schärmerei

Meinen ersten Bienenschwarm werde ich nie vergessen. 8 Jahre alt, mit Freunden auf dem Weg zur Heldenmühle. Heute hüte ich selbst Bienen. Bei mir dürfen sie fast alles, gerne auch schwärmen. Jedes Mal wenn ich den typisch aufgeregten Schwarmton höre, muss ich raus, mich schwindlig sehen an mehr als 20.000 Bienen, die ihre Königin umschwärmen. Nach einer halben Stunde haben sie sich an einem Ast zur Schwarmtraube gefunden. Nun heißt es in der Regel warten auf den Sonnenaufgang. Bis dahin müssten die letzten Kundschafterinnen zurückgekommen sein. Jetzt wird beraten, welche bei den Erkundungsflügen entdeckte Höhle die beste für die Zukunft des Bienenvolkes ist. Sobald der Entschluss getroffen ist, wird die Traube wieder zum summenden Vorhang und fliegt zur neuen Wohnung. Waben bauen, Honig und Pollen eintragen, die Zeit ist knapp, Robinie und Linde blühen noch, Klee vielleicht, es muss für die neue Brut, über den Winter reichen. „Meine“ Bienen dürfen schwärmen, wenn es auch stimmt, dass ein geschwärmtes Volk keinen Honig mehr bringt. Na und? Viel Glück!

ScharfRichten

Wenn ein maskierter älterer Mann bei fast 30 Grad in der prallen Sonne im hohen Gras eine Böschung hochkriecht, dann bin das in diesem Fall ich. Beim Filmen latschen ein paar Zecken über meine Hand, der Schweiß rinnt und die Mosquitos feiern mit den Fröschen. Ich musste die Frösche schärfer bekommen und habe es jetzt geschafft. Die Aktion hat sich gelohnt. Seht selbst.

SchallMeister

Die meisten Amphibien haben ihre zehrende Hochzeitsfeier längst hinter sich. Anders die Teich- und Wasserfrösche. Keine gute Feier ohne Schlägerei. Der größte Rowdy darf dann mit seiner Prinzessin das Wasserbett teilen. Anders als die meisten heimischen Froscharten haben die Teich- und Wasserfrösche zwei Schallblasen, die sie ordentlich nutzen. Und von wegen behäbig, bei Sonnenschein und 25 Grad stecken die kleinen Frösche voller Energie und – in der Tat – Adrenalin. Ranschleichen ist gar nicht so einfach. Sobald sie einen Menschen erblicken, er mag für sie einem Reiher ähneln, verstummen die ersten, es wird leise, ab in den Untergrund und die nächsten Minuten Tauchgang. Bis der Erste Anblasen befiehlt, wieder nach oben ploppt, einer nach dem anderen, als ob ein Beutel voller Tischtennisbälle am Teichgrund geöffnet wurde. Lage gepeilt, bis die SchallMeister ihr gemeinsames Fest musikalisch weiterfeiern. Und klar: Keine gute Feier …

DreiMalAcht

Was aussieht wie ein entspanntes Picknick unter einer weiten Baumkrone ist wesentlicher Bestandteil des Arbeitstages. Damhirsche wie alle Widerkäuer leben nach der Faustregel 3 x 8: Je 8 Stunden äsen, schlafen, wiederkäuen und schon ist der Tag vorbei. Die Faustregel haben natürlich Menschen gemacht. Da fehlen entscheidende Dinge wie spielen, Kräfte messen, Kitze großziehen und natürlich Ohrenwackeln. Aber seht selbst. Der Wind hat mich gestern bei meinem Waldgang eingehüllt und die Geräusche geschluckt. So habe ich die entspannte Schar nicht aufgeschreckt und nur dann war es ein gelungenes Erlebnis. Die weiblichen Damhirsche haben gerade Kitze und leben einzeln oder zu zweit sehr heimlich. Mal sehen, wann ich die ersten sehe und ob überhaupt. Das Unvorhersehbare ist sicher eine Zauberin des Lebens.

https://youtu.be/Wrt-HCQMfKw

LiebeZeit

Wen von uns katapultieren Begriffe wie Schneckenpost oder Schneckenrennen nicht zurück in die Kinderzeit? Am meisten von den Schnecken können wir aber über Zeit und Liebe lernen. Ein Zeitforscher meinte neulich, wir selbst seien die Zeit. Das Gefühl dafür hätten wir verloren. Er empfahl, sich zwei Stunden in einen Apfelbaum zu setzen, und einfach zu beobachten. Das sei ein Weg, um die Zeit, letztlich uns selbst, zurückzugewinnen. Aber wer hat dafür schon Zeit? Oder fehlt es an der Muße?

Wenn gerade kein Baum in der Nähe ist, dann tun es auch schon einmal Schnecken. Diese haben sich gestern zärtlich weit über drei Stunden miteinander beschäftigt und ihre Freude dabei gehabt. Da bin ich sicher. So ganz komplikationslos geht das auch hier nicht. Zunächst müssen die Weichtiere aushandeln, sie sind Zwitter, wer den männlichen, wer den weiblichen Part übernimmt. Wenn sie Lust haben, können sie diese Rollen im Liebesspiel auch wechseln, dann tragen beide rund 50 perlmuttfarbene Eier aus und sorgen für die nächste Generation. Hier sind die Schnecken ziemlich schnell, in 25 Stunden ist das Gelege im Boden. Ein Vogel, zum Vergleich, legt ein Ei am Tag.

Und hier bin ich beim nächsten Sprung. Tieren wird oft unterstellt, sie funktionierten nur und alles gehe um Vermehrung. Das ist falsch. In ruhigen Momenten spielen viele Tierarten, etwa Damhirsche, Raben sowieso und vergessen sich momentelang. Oder wie verliebte Schnecken auch gleich einmal länger als 3 Stunden.

Flugbären

Um den 1. Mai jedes Jahres bemerke ich manchmal, wie ich meine Ohren unbewusst gespitzt habe. Ich weiß dann sofort, warum. Es ist die Zeit, in der die ersten Flugbären auftauchen. Nach einem mindestens halbjährigen Winterschlaf. Gestern stand ich am frühen Nachmittag unter unserem alten Nussbaum. Meine Ohren berichteten irgendetwas von Maikäfern. Ich stutzte, am hellen Tag. Dann sah ich sie. 6 oder 7 riesige Königinnen umschwärmten bestimmte Stellen der Nuss. Wenn sich so seltene Tiere wie Hornissenköniginnen an einem Ort versammeln, ist das in der Natur nie Zufall. Auch hier wieder der Bezug zu Bären, Hornissen lieben zuckersüße Baumsäfte. Die einen produzieren mit dem Zucker der Herbstbeeren Winterspeck, die anderen Energie, um ein Nest zu bauen und die erste Generation von Junghornissen auf den Weg zu bringen. Unsere Walnuss „blutet“ leicht.

Warum Flugbären? Ihr rot glänzendes Fell am Rücken, an der Brust. Ihre unbändige Kraft, ihr Selbstvertrauen. Zudem gehören sie zu den wenigen Insekten, die 24 Stunden am Tag aktiv sind – leider auch in Feuer fliegen, vom tödlichen Licht magisch angezogen. In aller Regel sind sie harmlos, ihr Gift ist weniger stark als das von Honigbienen und sie greifen nur an, wenn sie im Mehrmeterbereich um ihr Nest verdächtige Bewegungen notieren. Unglaublich, wie die Wächterinnen alle Sinne anspannen, auf den potentiellen Angreifer richten, erste zu Erkundungsflügen starten. Falls unsere Sinne das notieren, sofort abdrehen, von Ferne beobachten. Damit die Liebe erhalten bleibt.

Glücklos

Wer erinnert sich an das Kranichküken vom 20. April? Es war wohl zu früh. Bis in die erste Maihälfte kalt, windig und nass. Todesurteil in der Natur. Kranichküken dürfen in den ersten Lebenswochen nicht im feuchten Gras verklammen, auskühlen. Ihr Flaumkleid bietet keinen Wasserschutz. Die Altvögel wissen das, führen ihre Küken wo möglich in trockenere Gebiete mit niedriger Vegetation. Wenn es aber zu kalt ist, fehlt es an Nahrung. Die Alten leben großteils vegetarisch, die Küken benötigen viel Eiweiß, am liebsten in Form großer Insekten. Doch die fliegen noch nicht. Grashüpfer sind noch winzig. So war der frühe Schlupftermin zugleich Todesurteil. Es wäre noch Zeit für eine Nachbrut gewesen, doch das Nest bleibt verwaist. Heute am Morgen habe ich zwei kükenlose Paare beobachtet, die sich Rufduelle geliefert haben. Kraniche, die Küken führen, verhalten sich mucksmäuschenstill. Somit gibt es bei diesen Paaren 2021 keinen Nachwuchs. Der wesentliche Bestandteil der Natur, Leben und Sterben. Ihre Schönheit kann in unseren Augen liegen, trotz allem ein unglaubliches Geschenk.

foxtrott

Ein kleiner Film, ein unscharfer Fuchs. Warum ich ihn zeige? Weil alles, was wir im Wald wahrnehmen, eine Bedeutung hat, jede Menge Informationen liefert und Fragen aufwirft. Es ist früh am morgen, der Fuchs trottet müde, augenscheinlich satt, mit struppigem Fell, an seiner Umgebung wenig interessiert seinen Pfad. Ich korrigiere: die Füchsin. Sie scheint satt, den Magen wahrscheinlich voller Mäuse, Beute ist kein Thema mehr und es geht ohne Nachzudenken nach Hause. Stimmt, ich kenne wenig entfernt einen Bau. Doch der war wenigstens zwei Jahre nicht belegt. Voller Blätter, Spinnweben gelegentlich, kein frischer „Erdaushub“, keine viel begangenen Pfade. Mitte Mai hat sie Junge, die vielleicht schon bald ihre ersten Ausflüge außerhalb des Baus unternehmen werden. Ob sie schon feste Nahrung fressen, weiß ich nicht. Wohl kaum. Aber Tiermütter, auch Vögel, sehen bei der Aufzucht des Nachwuchses häufig zerzaust aus. Klar, dass ich noch zum Bau gehe und siehe da, frischer Aushub, offener Eingang. Der Aushub so frisch, dass ich zweifele, dass die Füchschen schon lange auf der Welt sind. Wir werden sehen … Das alles und noch mehr ist mir nach dieser Begegnung durch den Kopf gegangen. Dieses Verstehen-Wollen ist einer der Punkte, weshalb ich die Natur so schätze.

Goldaugenrituale

Heute morgen im Wald wollte ich mir um 4.30 Uhr das Vogelkonzert anhören. Es war beachtlich, aber die Phonzahl scheint mir noch steigerungsfähig. Dafür habe ich elegant stumm balzende Schellenten beobachtet. Für mich die erstaunlichsten Enten. Ihr Name kommt vom hell klingenden Flügelschlag der Erpel. Die Weibchen brüten in aufgelassenen Höhlen von Schwarzspechten. Sind die Küken geschlüpft, erklimmen sie mit ihren Krallen an den Schwimmfüsschen das Eingangsloch und folgen dem Lockruf der am Boden wartenden Mutter. Aus acht und mehr Metern Höhe lassen sich die Flaumbäusche fallen, welch Urvertrauen und meistens geht es gut. Dann ab im Entenmarsch auf´s nahe Gewässer und hier wird es gefährlich. Hecht und Wels schnappen sich die Küken und wenn es sein muss auch die Mutter. Wenige Male konnte ich große Schellentenküken auf seichten Waldgewässern erleben. Hier, ohne scharfe Zähne unter sich im Flachwasser, haben sie beste Chancen, groß zu werden, um im nächsten Jahr wie ihre Eltern zu balzen. Zur Balz: Das Weibchen tut unbeteiligt und wendet sich schließlich dem elegantesten Galan zu. Das war´s dann auch für den Schwarz-Weißen. Die Jungenaufzucht ist Frauensache. Ach ja, was das mit Goldaugen zu tun hat? Engländer nennen sie Golden eye.

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