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EinHorn

Liegt entspannt im Septembergras, genießt auf römische ArtBrombeerblätter und legt sich den Spätsommer auf roten Rock. Zufrieden mit dem Moment. Irgendetwas stimmt nicht. Er hat nur eine Stange auf dem Kopf. Die andere hat er kaum abgeworfen, frühestens im Oktober. Kann es eine Verletzung sein? Wenn ja, wie kam es dazu? Macht ihm das zu schaffen? Eine Entzündung sogar? Menschenfragen! Liegt im Gras, genießt den Moment und ich glaube, auch wenn das menschlich klingt, er ist zufrieden, ein Hauch von Glück vielleicht sogar. Ich schleiche zurück, der Wind in den Kronen gewährt mir Deckung und wünsche Einhorn alles Gute!

ExoAstronauten

In gelbschwarze Aussenskelette gehüllte Astronauten? Auf ihrer Reise auf einem grauen Asteroiden durch das All? Sich außen festklammernd? Fast bewegungslos. Energiesparmodus. Gelegentlich eine Botschaft über Fühlerkontakt. Ihr Ziel ist klar. Sie rasen Richtung Winter. Einige von Ihnen ruhen noch in verschlossenen sechseckigen Kapseln im Asteroiden. Ob ihr erster Ausflug am Platzmangel an der grauen Oberfläche scheitert? Das Gros der Reisenden verharrt seit mehr als 10 Tagen. Selten, dass ein Kundschafter mit lang ausgestreckten Landearmen abhebt. Worauf warten sie? Nicht mehr lange, dann werden sie den Herbst erreicht haben, abheben, einer nach dem anderen. Sich ein sicheres Winterquartier suchen. In ihre Adern Frostschutzmittel pumpen. Den Winter überträumen. Bis die Sonne Überlebende im ausgehenden April wecken wird. Ihr Auftrag ist klar: Einen neuen Staat gründen. Für die nächste Reise der gelbschwarzen Raumfahrer. Nennt sie Feldwespen.

Im nächsten Video seht Ihr, wie die Astronauten Erkundungsflüge zu einem ExoPlaneten starten…

NesselSucht

Nach 3 Jahren ohne sie sind sie endlich wieder da. Raupen des Tagpfauenauges laben sich an Brennesseln. Ohne diese Pflanze keine Admirale, keine kleinen Füchse, keine Tagpfauenaugen und viele andere Gaukler mehr. Rund 4 Wochen fressen sie, meist in schützender Gemeinschaft, gerne unter Gespinsten. Das soll Schlupfwespen abhalten, Eier in sie zu legen. Keine Bange, wer kleine tote Raupen entdeckt, sieht meist deren Hüllen. Viermal häuten sie sich, bis sie sich in der Puppe zum Schmetterling wandeln. Für mich immer noch ein Wunder. Die letzten Jahre haben wir sie vermisst, weil die Brennesseln vor der Zeit vertrocknet sind. In diesem Jahr finden wir sie reichlich. Nicht mehr lange, dann wird jede Raupe ihren eigenen langen Weg gehen, bis sie einen möglichst sicheren Platz für das Puppenstadium gefunden hat. Im September werden sie fliegen, sich irgendwann einen Platz für den Winter suchen, vollgepumpt mit Frostschutzmitteln einfrieren und ab April die nächste Generation begründen. Noch aber ist Sommer!

WaldBader

„Hin und weg“ bin ich bis heute von dieser raren Begegnung. „Hin und weg“, ohne die Bademeister zu stören. Im Biberteich finden sie Kühlung und wohl Schutz vor stechenden Plagegeistern. Unser tete a tete liegt nun schon ein paar Wochen zurück. Jetzt, Anfang August, fressen sie sich noch einen Wamst an. Bis September muss das Bauchfell spannen, sonst überleben sie ihre aufregende Brunft nicht. Ich freu` mich schon auf diesen Herbst und hoffe auf weitere Begegnungen. Das beste daran ist, dass ich sie suchen, aber niemals herbeiführen kann.

Der Herbst, im Oktober folgt die Brunft der kleineren Damhirsche, im November fliegen die Singschwäne ein und schon jetzt bringt der Vogelzug ständig wechselnde Gäste, welch Segen für die alten Sinne.

SpeerTaucher

Eisvögel begleiten mich mein Leben an. Ihr pfeilgerade Flug dicht über dem Wasser, ihr klirrend klarer Ruf, ihre ausdauernden Ansitze auf einem Ast über dem Wasser, ihre Tauchjagd. Hier durfte ich eine Familie beobachten Die Jungvögel mussten üben, ihre erbeuteten Stichlinge zu töten, bevor sie kopfüber verschlungen wurden. Ganz schön mühsam. Aufmerksam wurde ich auf sie, als ich immer wieder ein Platschen hörte, dass ich anfangs gar nicht registrierte. Dann sah ich einen kunterbunten auf seiner Ansitzwarte und nachträglich habe ich das Geräusch eingeordnet. Irgendwann kam ein Vogel 4 Meter an mich heran, musterte mich in meiner Maske und ordnete mich als harmlos ein. Weiter ging das Platsch – Platsch — Platsch … und ich wusste, wieder eine dieser raren Begegnungen. Sie sind selten bei uns in diesem Jahr, 3 Wochen Frost haben gereicht, ihren Bestand zu dezimieren. Umso wertvoller, wenn ich irgendwo einen Pfiff vorbeifliegen höre …

MoschusBock

Wer diesen metallisch gold-grün-kupfer-blau glänzenden Käfer einmal beobachtet hat, wird diese Begegnung nicht vergessen. Mit jeder Bewegung bricht sein Chitinpanzer einfallendes Licht neu und wirft schillernd Farbenzauber. Im Flug behäbig wie zielstrebig, wirken seine körperlangen Fühler wie elegant gebogene Überrollbügel, die vor harten Landungen schützen wollen. Doch er nutzt seine Fühler als Riechzentren. Wie er damit filigran auf einer Möhrenblüte im Wind schaukelnd die ergiebigsten „Weideflächen“ ertastet, ist sehenswert. Irgendwann bin ich ihm zu nah, er versucht den Alarmstart. Mehrmals, vergeblich. Ich könnte ihn ja verspeisen wollen. Aber woher. Seit Jahren begrüße ich diese glänzenden Sommerboten, weiß, dass sie nach 3 -4 Jahren Larvendasein im Weidenholz jetzt ein paar Wochen Hochzeit feiern wollen, den Nachwuchs zu sichern. Während seiner Käferlebenswochen hüllt er sich in angenehmen Moschusduft. Einfach die Salicylsäure im Weidenholz umgebaut und fertig. Wenn das so einfach wäre. Menschen vermuten, dass dieser Wohlgeruch Vögel abschrecken soll. Aber was wissen Menschen schon von Moschusböcken …

Ergänzung: Am 18. Juli – kurz vor der Fledermausstunde – hat ein Moschusbock vor dem Himmel vier Runden über uns gedreht. Behende, sicher, schnell. Nach der Flugshow im Weinlaub gelandet, ohne Einsatz der Überrollbügel.

SandGräber

Es gibt sie immer wieder, Begegnungen, die Einen in andere Zeiten, an andere Ort versetzen. Kreiselwespen haben mich 7 Jahre zurück an die Durance in Südfrankreich versetzt, wo wir ihnen erstmals begegnet sind. „Darf ich vorstellen …“ Auf einer Wanderrast an einer Sandfläche haben wir sie gehört, ihr Kreiselbrummen, notiert, ihr selbstvergessenes Tun bestaunt. Mit ihren grünen Neonbrillen, ihrem flachen Körper, ihrem Brummton und ihren ausgefeilten Grabkünsten brennen sie sich in´s Gedächtnis.

Als wir hier auf einer Sandlinse im Nationalpark Unteres Odertal vor wenigen Jahren eine große Population entdeckt haben, war unsere „Wiedersehensfreude“ verblüfft. „Was machen die denn hier?“

Längst sind sie Teil unseres Kalenders. Jedes Jahr im auslaufenden Juni, vielleicht Anfang Juli, konnten wir uns von nun an auf die großen Grabwespen freuen. „Wo bleiben sie denn? Sie müssten doch fliegen! Ja, da – eine, zwei, viele … Eins der wenigen Insekten mit ausgeprägter Brutpflege. Genau ein Ei 15 – 20 cm tief im Sand gelegt, in eine vorbereitete Höhle, die geschlüpfte Larve rund 12 Tage mit gelähmten Fliegen versorgt, gefüttert, beim Abflug die Wiegenhöhle verscharrt, nach dem Anflug, sicher gefunden, aufgescharrt, Fliege reingeschleppt, guten Appetit und weiter – wohin auch immer – das Flugleben ist kurz – ein Wettflug vielleicht mit dem penetranten Verehrer, zur nächsten Fliege irgendwann. Hat sich die erste Larve verpuppt, erwartet ihre Zeit, ein ganzes Jahr Schlaf vor sich, das nächste Ei, von vorn. Bis zu 8 Wiederholungen, 8 Puppen, Anfang September ist das Kreiselbrummen verstummt. Bis zum nächsten Jahr. Ach ja, wir haben die Nationalparkverwaltung verständigt, gebeten, die Kinderwiegen der gestreiften wie geschätzten Klimavorboten vor zuviel Autoverkehr, ein Sandweg ist ihr Revier, zu schützen. Das macht unsere kleine Welt nicht schlechter …

HochFrequenter

Es brummt neben meinem Kopf. Ein heißer Sommertag und ich weiß, ohne hinzusehen, wer den prächtigen Muskateller Salbei umschwärmt. Meinen ersten Brummer mag ich vor 25, 30 Jahren gesehen haben. Ungläubig wie viele andere, ein Kolibri bei uns? Inzwischen ist er stets neu erfreulicher Sommerbote, das im Süden heimische Taubenschwänzchen, das schon vor Jahrzehnten mit seinem hochfrequenten Flügelschlag brummend den Klimawandel verkündete. Für mich ist er einfach ein Wunder der Natur, sein rasanter Flug, sein akrobatischer Einsatz des endlos lang scheinenden Rüssels, wie er vor der Blüte schwirrend den süßen dringend benötigten Treibstoff saugt. Jede Begegnung mit dem HochFrequenter pure Freude, seine jähen Richtungswechsel, der plötzliche Stillstand, ständiges Brummen dabei. Luftikus!

WortLos

Motorsägen zwischen Nachtigallen. Die Stadt Schwedt hat Fakten schaffen lassen. Am Kanalufer direkt an der Brücke Alt-Galow haben Baumfäller auf einer Länge von rund 100 Metern zahlreiche Weiden gefällt. Alt und jung, angeschlagen und gesund. Begründung: Verkehrssicherungspflicht. Mitten in der Brutperiode von Vögeln. Fällen von Bäumen in dieser Diemension für Bürger nur möglich, wenn Gefahr im Verzug ist. Das war hier bestenfalls für einige der Fall. Der im Video gefällte symbolisiert mit seinem makellos hellen Holz Gesundheit pur. Keine 5 Meter von der Grenze des Nationalparks – dem direkt angrenzenden Kanalufer, entfernt. Die untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Uckermark hat dies laut Aussagen des Ausführenden gestattet. Ebenso die Verwaltung des Nationalparks Unteres Odertal. (Nachtrag: Die Nachfrage bei der Verwaltung des Nationalparkes hat ergeben, dass die Verwaltung an dieser Aktion nicht beteiligt wurde, da der Fällort außerhalb ihres Gebietes liegt. Für die Untere Naturschutzbehörde gilt das nicht.)

Keiner von diesen Institutionen, der die Anwohner vorab informiert hat. Keiner, der die Arbeiten begleitet hat, um fragende Bürger zu informieren. Das mussten die Baumfäller übernehmen. Häufig sägen sie nach eigener Aussage zum Erhalt der Verkehrssicherungspflicht einfach Äste ab, die instabil scheinen. Klar, dass auch ein instabiler Baum weichen muss. Dies anhand eines Gutachtens eines Baumgutachters. Das es auch anders geht, zeigen die Verantwortlichen.

Am Rande: Im Land Brandenburg haben 11 Landkreise eine Satzung oder Verordnung zum Schutz der Bäume. Der Landkreis Uckermark gehört zu den dreien, die ohne Auskommen.

nO-kavango

Es wird wohl ein ungelebter Traum bleiben, mein Besuch im Okavango, dem größten Binnendelta der Erde. Dafür lebe ich im Nationalpark Unteres Odertal, in dem der Fluss ein wenig Spielräume hat und die Natur noch immer reich sein darf. So auf Überflutungsflächen, dem Deichvorland. Wenn Fischen aller Größen hier nach einem Hochwasser der Rückweg in ihren Fluss abgeschnitten ist, das Wasser sinkt, werden sie zum gefundenen Fressen für eine bunte Gruppe gefiederter Jäger. Speerschnäbel, Sturzflieger, Tauchjäger veranstalten ein wildes Spektakel. In dieser angespannten Dimension habe ich das genau einmal erlebt. Natur, wie ein Regenbogen, ein Sonnenuntergang, spielende Damhirsche. Dabei in jeder Sekunde auf Leben und Tod – 24/7.

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