Autor: Roland Schulz Seite 1 von 3

FeenWeiß

Alle Herbste wieder, die Fischteiche werden abgelassen. Pfeif-, Schnatter- und Krickenten neben den alles überstrahlenden Silberreihern. Ich wundere mich, wo Tarnfarben im Tierreich soviele Überleben sichern, warum es bei uns mit den grünen Wintern weiß gekleidete Vogelarten wie Schwäne und Silberreiher gibt. Wehrhaft wenigstens sind sie ja und klar, die Natur hat sich was dabei gedacht.

DrehBuch

Heute ist Sturm und so musste ich gestern Morgen raus. Es läuft wie im Drehbuch, wir nähern uns dem Finale, einem brunftenden Damhirsch. Ich gehe über die Wiese, einen kleinen Hügel und sinke in mich zusammen. 300 Meter vom Haus entfernt genießt ein kleines Rudel mit dickem Macker, ein prächtiges Schaufelgeweih zeichnet ihn aus, Morgenruhe. Nach schlafloser Nacht. Bin gespannt, wie es weitergeht.

JugendFrei

Heute habe ich den ersten Damhirsch „brunften“ gehört. Verhalten, spät im Jahr. Heute morgen am Kanal ein nachtfrisch getöteter und halb gefressener Marderhund. Wolf? Das wäre für vieles eine Erklärung. Die Worte von meinem canadischen Rangerpaten Mike the Hunter im Ohr: I´ve always a knife with me as sharp as possible. Nun, das haben die drei nicht. Zwei Jungtiere aus diesem Jahr und der Spießer vom vergangenen. Sie haben nichts außer ihren Sinnen als Lebensversicherung. Den Spießer kenne ich nun schon das zweite Jahr, ich mag ihn. Die „Alten“ sorgen die nächsten Wochen für Nachwuchs, möge sich das Rad weiterdrehen. Ich werde versuchen, sie wenigstens einmal zu beobachten. Das wird schwierig, solange Wölfe im Gebiet jagen, sind sie scheu. Gut so!

VorSpiel

Damhirsche sind für mich wunderbare Tiere. Farbenspiel, Spielfreude, Anmut und enorme Sprünge bis weit über 2 Meter hohe Sprünge. Die allenthalben auftauchenden Wölfe sollen sie nun ausrotten, da Damhirsche stets nur kürzere Strecken fliehen. Wir werden sehen. Jetzt freue ich mich erstmal an ihre anstehende Brunft. Mal sehen, ob ich aus einem Morgen- oder Abendversteck zusehen darf. Diese habe ich beim Pirschen entdeckt, sie waren natürlich schneller und das erwarte ich auch…

SongLines

Der Oktober über dem weiten Land ist klar getaktet. Morgens, naja, vormittags fliegen die Gänse- und Kranichscharen erzählend Richtung Oderwiesen und mit Wintergetreide bestellte Äcker. In der Abenddämmerung geht es zurück in die Schlafgewässer, die nasse Füße garantieren und somit Schutz vor zahntriefenden Pelztieren schenken. Vor dem Seeadler gibt es nur eine Versicherung, stets beim kleinsten Verdacht ALARM rufen. Dann rauschen Federwolken in die behütende Luft.

EinHorn

Liegt entspannt im Septembergras, genießt auf römische ArtBrombeerblätter und legt sich den Spätsommer auf roten Rock. Zufrieden mit dem Moment. Irgendetwas stimmt nicht. Er hat nur eine Stange auf dem Kopf. Die andere hat er kaum abgeworfen, frühestens im Oktober. Kann es eine Verletzung sein? Wenn ja, wie kam es dazu? Macht ihm das zu schaffen? Eine Entzündung sogar? Menschenfragen! Liegt im Gras, genießt den Moment und ich glaube, auch wenn das menschlich klingt, er ist zufrieden, ein Hauch von Glück vielleicht sogar. Ich schleiche zurück, der Wind in den Kronen gewährt mir Deckung und wünsche Einhorn alles Gute!

ExoAstronauten

In gelbschwarze Aussenskelette gehüllte Astronauten? Auf ihrer Reise auf einem grauen Asteroiden durch das All? Sich außen festklammernd? Fast bewegungslos. Energiesparmodus. Gelegentlich eine Botschaft über Fühlerkontakt. Ihr Ziel ist klar. Sie rasen Richtung Winter. Einige von Ihnen ruhen noch in verschlossenen sechseckigen Kapseln im Asteroiden. Ob ihr erster Ausflug am Platzmangel an der grauen Oberfläche scheitert? Das Gros der Reisenden verharrt seit mehr als 10 Tagen. Selten, dass ein Kundschafter mit lang ausgestreckten Landearmen abhebt. Worauf warten sie? Nicht mehr lange, dann werden sie den Herbst erreicht haben, abheben, einer nach dem anderen. Sich ein sicheres Winterquartier suchen. In ihre Adern Frostschutzmittel pumpen. Den Winter überträumen. Bis die Sonne Überlebende im ausgehenden April wecken wird. Ihr Auftrag ist klar: Einen neuen Staat gründen. Für die nächste Reise der gelbschwarzen Raumfahrer. Nennt sie Feldwespen.

Im nächsten Video seht Ihr, wie die Astronauten Erkundungsflüge zu einem ExoPlaneten starten…

NesselSucht

Nach 3 Jahren ohne sie sind sie endlich wieder da. Raupen des Tagpfauenauges laben sich an Brennesseln. Ohne diese Pflanze keine Admirale, keine kleinen Füchse, keine Tagpfauenaugen und viele andere Gaukler mehr. Rund 4 Wochen fressen sie, meist in schützender Gemeinschaft, gerne unter Gespinsten. Das soll Schlupfwespen abhalten, Eier in sie zu legen. Keine Bange, wer kleine tote Raupen entdeckt, sieht meist deren Hüllen. Viermal häuten sie sich, bis sie sich in der Puppe zum Schmetterling wandeln. Für mich immer noch ein Wunder. Die letzten Jahre haben wir sie vermisst, weil die Brennesseln vor der Zeit vertrocknet sind. In diesem Jahr finden wir sie reichlich. Nicht mehr lange, dann wird jede Raupe ihren eigenen langen Weg gehen, bis sie einen möglichst sicheren Platz für das Puppenstadium gefunden hat. Im September werden sie fliegen, sich irgendwann einen Platz für den Winter suchen, vollgepumpt mit Frostschutzmitteln einfrieren und ab April die nächste Generation begründen. Noch aber ist Sommer!

WaldBader

„Hin und weg“ bin ich bis heute von dieser raren Begegnung. „Hin und weg“, ohne die Bademeister zu stören. Im Biberteich finden sie Kühlung und wohl Schutz vor stechenden Plagegeistern. Unser tete a tete liegt nun schon ein paar Wochen zurück. Jetzt, Anfang August, fressen sie sich noch einen Wamst an. Bis September muss das Bauchfell spannen, sonst überleben sie ihre aufregende Brunft nicht. Ich freu` mich schon auf diesen Herbst und hoffe auf weitere Begegnungen. Das beste daran ist, dass ich sie suchen, aber niemals herbeiführen kann.

Der Herbst, im Oktober folgt die Brunft der kleineren Damhirsche, im November fliegen die Singschwäne ein und schon jetzt bringt der Vogelzug ständig wechselnde Gäste, welch Segen für die alten Sinne.

SpeerTaucher

Eisvögel begleiten mich mein Leben an. Ihr pfeilgerade Flug dicht über dem Wasser, ihr klirrend klarer Ruf, ihre ausdauernden Ansitze auf einem Ast über dem Wasser, ihre Tauchjagd. Hier durfte ich eine Familie beobachten Die Jungvögel mussten üben, ihre erbeuteten Stichlinge zu töten, bevor sie kopfüber verschlungen wurden. Ganz schön mühsam. Aufmerksam wurde ich auf sie, als ich immer wieder ein Platschen hörte, dass ich anfangs gar nicht registrierte. Dann sah ich einen kunterbunten auf seiner Ansitzwarte und nachträglich habe ich das Geräusch eingeordnet. Irgendwann kam ein Vogel 4 Meter an mich heran, musterte mich in meiner Maske und ordnete mich als harmlos ein. Weiter ging das Platsch – Platsch — Platsch … und ich wusste, wieder eine dieser raren Begegnungen. Sie sind selten bei uns in diesem Jahr, 3 Wochen Frost haben gereicht, ihren Bestand zu dezimieren. Umso wertvoller, wenn ich irgendwo einen Pfiff vorbeifliegen höre …

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