Kormorane jagen bei 10 Grad Minus auf Überschwemmungsflächen der Oder. Perfekte Taucher, die ohne Fettdrüse unermüdlich fischen. Bis das Gefieder nass ist. Oft sind sie mit ausgebreiteten Schwingen auf Bäumen zu sehen. Sie trocknen ihre Federn. Bis zum nächsten Tauchgang. Fischer mit Teichwirtschaft können sie schädigen, da Kormorane größere Fische verletzen, die dann durch Pilzinfektionen sterben. Wie überall gilt, wer fair miteinander redet, findet Lösungen. Ich freue mich jedesmal, wenn ich den schwarzen Tauchern begegne.
In den laubfreien Baumkronen lassen sich Schwarzspechte gut bei ihrer konzentrierten Nahrungssuche beobachten. Dabei ständige Rundblicke, ob nicht der graue Tod – ein Habicht – aus dem Nichts auftaucht. In den nächsten Wochen beginnt die Balz der Spechte, wenn sie laut keckernd – ähnlich wie Dohlen – ihre Reviere verteidigen und ihre Auserwählten bezirzen. Danach geht es zum Bau der Bruthöhle, der drei Wochen und länger dauert.
Mehr als 100 Silberreiher jagen in Fischteichen, die aktuell abgelassen werden. Bei den Aufnahmen liege ich direkt über dem Abfluss, deshalb das Wasserrauschen. Engelreiher sollten sie heißen, so elegant, grazil, tödlich. Eine verlässliche Landmarke in meinem Uckermarkjahr. Jetzt sind die Bäume und der Waldboden bunt, die Tagesstunden knapp und lange Nächte wollen bespielt werden. Die Zeit der Ruhe ist angebrochen. Umso wichtiger, die hellen Stunden draußen zu leben. Jeden Tag können Singschwäne aus dem Norden eintreffen…
Im Oktober beginnt die Brunft der Damhirsche. In der Uckermark jagen zahlreiche Wölfe. Ob dies ein Grund für die lange „stumme“ Brunft ist? Jetzt rufen sie an ihren traditionellen Plätzen. Erkennbar an in den Boden gescharrten Mulden, den Brunftkuhlen. Mögen im kommenden Mai und Juni viele Kälber das grüne Licht der Wälder erblicken, mögen sie ein wildes Leben genießen.
Im Nationalpark Unteres Odertal werden die Wiesen spät im Jahr gemäht. Alt- und Jungstörche genießen vor dem kräftezehrenden Flug über die Sahara den reich gedeckten Tisch. Das Frühjahr war feucht und so scheint es seit langem wieder ein gutes Storchenjahr zu werden. Auch diese wunderbaren Vögel leiden unter den dürren heißen Jahren.
So nah bin ich einem Biber noch nie gekommen. Ich stehe getarnt auf einem dicken gefallenen Buchenstamm, bewegungslos – er taxiert mich eine ganze Weile, Minuten, jetzt bloss keine Bewegung, dann verlässt er direkt unter mir das Wasser und knabbert Blätter des Bergahorn. Irgendwie, sein sechster Sinn, wird es ihm unheimlich und er verschwindet wieder entspannt in seinem Wasserreich. Nicht einmal seine Kelle klatscht beim Abtauchen auf das Wasser, das bibereigene Warnsignal. Wegen Begegnungen wie dieser liebe ich „meinen“ Wald immer neu …
Mir geht jedes Mal das Herz über, wenn die Kraniche aus dem Süden heimkehren und ausgelassen dem Frühling entgegen trompeten. Er mag sich noch etwas zieren, doch die Sonne wärmt bereits und nicht mehr lange, dann folgen die ersten Blüten ihrem Werben… Nicht verpassen!
Waldohreulen finden sich den Winter über zu Schlafgemeinschaften zusammen. Dazu benötigen sie möglichst blickdichte Bäume – gar nicht so einfach in unseren Dürrejahren – und jede Menge Wühlmäuse. Ihre Schlafplätze erkennt man an den ausgewürgten mausgrauen Gewöllen am Boden, einen Zentimeter dick und zwei bis drei lang. Wer ein Gewölle „seziert“, entdeckt zwischen all den Mäusehaaren viele Knochen.
Distelfinken sind vielleicht meine Lieblingsvögel. Zumal ich früher dachte, überall in der Welt seien die Vögel bunter. Ich mag auch die Geschichte, wie er zu seinem Namen kam. Als Gott sämtlichen Vögeln Farben geschenkt hatte, kam der Stieglitz, todtraurig, dass er vergessen wurde. Nun, Gott hat aus sämtlichen Farbkannen die Reste getupft und dem Vogel sein kunterbuntes Gewand geschenkt, bis hin zum roten Klecks mitten ins Gesicht …
Silberreiher sind in den letzten Jahrzehnten aus Süden und Osten in den Nationalpark Unteres Odertal eingeflogen. Ein Brutnachweis, ihre Nester liegen in dichten Schilfwäldern, fehlt noch. Gerade im Herbst und Winter leben sie in größeren Scharen im Nationalpark. Beim herbstlichen Abfischen der extensiv genutzten Karpfenteiche sammeln sich bis zu 100 dieser weithin weiß leuchtenden Vögel. Silber kann ich an ihnen nicht erkennen, aber vielleicht ist es wie bei Menschen: Die wahren Schätze liegen häufig im Verborgenen und es benötigt Zeit, sie zu entdecken.