MoschusBock

Wer diesen metallisch gold-grün-kupfer-blau glänzenden Käfer einmal beobachtet hat, wird diese Begegnung nicht vergessen. Mit jeder Bewegung bricht sein Chitinpanzer einfallendes Licht neu und wirft schillernd Farbenzauber. Im Flug behäbig wie zielstrebig, wirken seine körperlangen Fühler wie elegant gebogene Überrollbügel, die vor harten Landungen schützen wollen. Doch er nutzt seine Fühler als Riechzentren. Wie er damit filigran auf einer Möhrenblüte im Wind schaukelnd die ergiebigsten „Weideflächen“ ertastet, ist sehenswert. Irgendwann bin ich ihm zu nah, er versucht den Alarmstart. Mehrmals, vergeblich. Ich könnte ihn ja verspeisen wollen. Aber woher. Seit Jahren begrüße ich diese glänzenden Sommerboten, weiß, dass sie nach 3 -4 Jahren Larvendasein im Weidenholz jetzt ein paar Wochen Hochzeit feiern wollen, den Nachwuchs zu sichern. Während seiner Käferlebenswochen hüllt er sich in angenehmen Moschusduft. Einfach die Salicylsäure im Weidenholz umgebaut und fertig. Wenn das so einfach wäre. Menschen vermuten, dass dieser Wohlgeruch Vögel abschrecken soll. Aber was wissen Menschen schon von Moschusböcken …

Ergänzung: Am 18. Juli – kurz vor der Fledermausstunde – hat ein Moschusbock vor dem Himmel vier Runden über uns gedreht. Behende, sicher, schnell. Nach der Flugshow im Weinlaub gelandet, ohne Einsatz der Überrollbügel.

SandGräber

Es gibt sie immer wieder, Begegnungen, die Einen in andere Zeiten, an andere Ort versetzen. Kreiselwespen haben mich 7 Jahre zurück an die Durance in Südfrankreich versetzt, wo wir ihnen erstmals begegnet sind. „Darf ich vorstellen …“ Auf einer Wanderrast an einer Sandfläche haben wir sie gehört, ihr Kreiselbrummen, notiert, ihr selbstvergessenes Tun bestaunt. Mit ihren grünen Neonbrillen, ihrem flachen Körper, ihrem Brummton und ihren ausgefeilten Grabkünsten brennen sie sich in´s Gedächtnis.

Als wir hier auf einer Sandlinse im Nationalpark Unteres Odertal vor wenigen Jahren eine große Population entdeckt haben, war unsere „Wiedersehensfreude“ verblüfft. „Was machen die denn hier?“

Längst sind sie Teil unseres Kalenders. Jedes Jahr im auslaufenden Juni, vielleicht Anfang Juli, konnten wir uns von nun an auf die großen Grabwespen freuen. „Wo bleiben sie denn? Sie müssten doch fliegen! Ja, da – eine, zwei, viele … Eins der wenigen Insekten mit ausgeprägter Brutpflege. Genau ein Ei 15 – 20 cm tief im Sand gelegt, in eine vorbereitete Höhle, die geschlüpfte Larve rund 12 Tage mit gelähmten Fliegen versorgt, gefüttert, beim Abflug die Wiegenhöhle verscharrt, nach dem Anflug, sicher gefunden, aufgescharrt, Fliege reingeschleppt, guten Appetit und weiter – wohin auch immer – das Flugleben ist kurz – ein Wettflug vielleicht mit dem penetranten Verehrer, zur nächsten Fliege irgendwann. Hat sich die erste Larve verpuppt, erwartet ihre Zeit, ein ganzes Jahr Schlaf vor sich, das nächste Ei, von vorn. Bis zu 8 Wiederholungen, 8 Puppen, Anfang September ist das Kreiselbrummen verstummt. Bis zum nächsten Jahr. Ach ja, wir haben die Nationalparkverwaltung verständigt, gebeten, die Kinderwiegen der gestreiften wie geschätzten Klimavorboten vor zuviel Autoverkehr, ein Sandweg ist ihr Revier, zu schützen. Das macht unsere kleine Welt nicht schlechter …

HochFrequenter

Es brummt neben meinem Kopf. Ein heißer Sommertag und ich weiß, ohne hinzusehen, wer den prächtigen Muskateller Salbei umschwärmt. Meinen ersten Brummer mag ich vor 25, 30 Jahren gesehen haben. Ungläubig wie viele andere, ein Kolibri bei uns? Inzwischen ist er stets neu erfreulicher Sommerbote, das im Süden heimische Taubenschwänzchen, das schon vor Jahrzehnten mit seinem hochfrequenten Flügelschlag brummend den Klimawandel verkündete. Für mich ist er einfach ein Wunder der Natur, sein rasanter Flug, sein akrobatischer Einsatz des endlos lang scheinenden Rüssels, wie er vor der Blüte schwirrend den süßen dringend benötigten Treibstoff saugt. Jede Begegnung mit dem HochFrequenter pure Freude, seine jähen Richtungswechsel, der plötzliche Stillstand, ständiges Brummen dabei. Luftikus!

WortLos

Motorsägen zwischen Nachtigallen. Die Stadt Schwedt hat Fakten schaffen lassen. Am Kanalufer direkt an der Brücke Alt-Galow haben Baumfäller auf einer Länge von rund 100 Metern zahlreiche Weiden gefällt. Alt und jung, angeschlagen und gesund. Begründung: Verkehrssicherungspflicht. Mitten in der Brutperiode von Vögeln. Fällen von Bäumen in dieser Diemension für Bürger nur möglich, wenn Gefahr im Verzug ist. Das war hier bestenfalls für einige der Fall. Der im Video gefällte symbolisiert mit seinem makellos hellen Holz Gesundheit pur. Keine 5 Meter von der Grenze des Nationalparks – dem direkt angrenzenden Kanalufer, entfernt. Die untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Uckermark hat dies laut Aussagen des Ausführenden gestattet. Ebenso die Verwaltung des Nationalparks Unteres Odertal. (Nachtrag: Die Nachfrage bei der Verwaltung des Nationalparkes hat ergeben, dass die Verwaltung an dieser Aktion nicht beteiligt wurde, da der Fällort außerhalb ihres Gebietes liegt. Für die Untere Naturschutzbehörde gilt das nicht.)

Keiner von diesen Institutionen, der die Anwohner vorab informiert hat. Keiner, der die Arbeiten begleitet hat, um fragende Bürger zu informieren. Das mussten die Baumfäller übernehmen. Häufig sägen sie nach eigener Aussage zum Erhalt der Verkehrssicherungspflicht einfach Äste ab, die instabil scheinen. Klar, dass auch ein instabiler Baum weichen muss. Dies anhand eines Gutachtens eines Baumgutachters. Das es auch anders geht, zeigen die Verantwortlichen.

Am Rande: Im Land Brandenburg haben 11 Landkreise eine Satzung oder Verordnung zum Schutz der Bäume. Der Landkreis Uckermark gehört zu den dreien, die ohne Auskommen.

nO-kavango

Es wird wohl ein ungelebter Traum bleiben, mein Besuch im Okavango, dem größten Binnendelta der Erde. Dafür lebe ich im Nationalpark Unteres Odertal, in dem der Fluss ein wenig Spielräume hat und die Natur noch immer reich sein darf. So auf Überflutungsflächen, dem Deichvorland. Wenn Fischen aller Größen hier nach einem Hochwasser der Rückweg in ihren Fluss abgeschnitten ist, das Wasser sinkt, werden sie zum gefundenen Fressen für eine bunte Gruppe gefiederter Jäger. Speerschnäbel, Sturzflieger, Tauchjäger veranstalten ein wildes Spektakel. In dieser angespannten Dimension habe ich das genau einmal erlebt. Natur, wie ein Regenbogen, ein Sonnenuntergang, spielende Damhirsche. Dabei in jeder Sekunde auf Leben und Tod – 24/7.

Schärmerei

Meinen ersten Bienenschwarm werde ich nie vergessen. 8 Jahre alt, mit Freunden auf dem Weg zur Heldenmühle. Heute hüte ich selbst Bienen. Bei mir dürfen sie fast alles, gerne auch schwärmen. Jedes Mal wenn ich den typisch aufgeregten Schwarmton höre, muss ich raus, mich schwindlig sehen an mehr als 20.000 Bienen, die ihre Königin umschwärmen. Nach einer halben Stunde haben sie sich an einem Ast zur Schwarmtraube gefunden. Nun heißt es in der Regel warten auf den Sonnenaufgang. Bis dahin müssten die letzten Kundschafterinnen zurückgekommen sein. Jetzt wird beraten, welche bei den Erkundungsflügen entdeckte Höhle die beste für die Zukunft des Bienenvolkes ist. Sobald der Entschluss getroffen ist, wird die Traube wieder zum summenden Vorhang und fliegt zur neuen Wohnung. Waben bauen, Honig und Pollen eintragen, die Zeit ist knapp, Robinie und Linde blühen noch, Klee vielleicht, es muss für die neue Brut, über den Winter reichen. „Meine“ Bienen dürfen schwärmen, wenn es auch stimmt, dass ein geschwärmtes Volk keinen Honig mehr bringt. Na und? Viel Glück!

ScharfRichten

Wenn ein maskierter älterer Mann bei fast 30 Grad in der prallen Sonne im hohen Gras eine Böschung hochkriecht, dann bin das in diesem Fall ich. Beim Filmen latschen ein paar Zecken über meine Hand, der Schweiß rinnt und die Mosquitos feiern mit den Fröschen. Ich musste die Frösche schärfer bekommen und habe es jetzt geschafft. Die Aktion hat sich gelohnt. Seht selbst.

SchallMeister

Die meisten Amphibien haben ihre zehrende Hochzeitsfeier längst hinter sich. Anders die Teich- und Wasserfrösche. Keine gute Feier ohne Schlägerei. Der größte Rowdy darf dann mit seiner Prinzessin das Wasserbett teilen. Anders als die meisten heimischen Froscharten haben die Teich- und Wasserfrösche zwei Schallblasen, die sie ordentlich nutzen. Und von wegen behäbig, bei Sonnenschein und 25 Grad stecken die kleinen Frösche voller Energie und – in der Tat – Adrenalin. Ranschleichen ist gar nicht so einfach. Sobald sie einen Menschen erblicken, er mag für sie einem Reiher ähneln, verstummen die ersten, es wird leise, ab in den Untergrund und die nächsten Minuten Tauchgang. Bis der Erste Anblasen befiehlt, wieder nach oben ploppt, einer nach dem anderen, als ob ein Beutel voller Tischtennisbälle am Teichgrund geöffnet wurde. Lage gepeilt, bis die SchallMeister ihr gemeinsames Fest musikalisch weiterfeiern. Und klar: Keine gute Feier …

DreiMalAcht

Was aussieht wie ein entspanntes Picknick unter einer weiten Baumkrone ist wesentlicher Bestandteil des Arbeitstages. Damhirsche wie alle Widerkäuer leben nach der Faustregel 3 x 8: Je 8 Stunden äsen, schlafen, wiederkäuen und schon ist der Tag vorbei. Die Faustregel haben natürlich Menschen gemacht. Da fehlen entscheidende Dinge wie spielen, Kräfte messen, Kitze großziehen und natürlich Ohrenwackeln. Aber seht selbst. Der Wind hat mich gestern bei meinem Waldgang eingehüllt und die Geräusche geschluckt. So habe ich die entspannte Schar nicht aufgeschreckt und nur dann war es ein gelungenes Erlebnis. Die weiblichen Damhirsche haben gerade Kitze und leben einzeln oder zu zweit sehr heimlich. Mal sehen, wann ich die ersten sehe und ob überhaupt. Das Unvorhersehbare ist sicher eine Zauberin des Lebens.

https://youtu.be/Wrt-HCQMfKw

LiebeZeit

Wen von uns katapultieren Begriffe wie Schneckenpost oder Schneckenrennen nicht zurück in die Kinderzeit? Am meisten von den Schnecken können wir aber über Zeit und Liebe lernen. Ein Zeitforscher meinte neulich, wir selbst seien die Zeit. Das Gefühl dafür hätten wir verloren. Er empfahl, sich zwei Stunden in einen Apfelbaum zu setzen, und einfach zu beobachten. Das sei ein Weg, um die Zeit, letztlich uns selbst, zurückzugewinnen. Aber wer hat dafür schon Zeit? Oder fehlt es an der Muße?

Wenn gerade kein Baum in der Nähe ist, dann tun es auch schon einmal Schnecken. Diese haben sich gestern zärtlich weit über drei Stunden miteinander beschäftigt und ihre Freude dabei gehabt. Da bin ich sicher. So ganz komplikationslos geht das auch hier nicht. Zunächst müssen die Weichtiere aushandeln, sie sind Zwitter, wer den männlichen, wer den weiblichen Part übernimmt. Wenn sie Lust haben, können sie diese Rollen im Liebesspiel auch wechseln, dann tragen beide rund 50 perlmuttfarbene Eier aus und sorgen für die nächste Generation. Hier sind die Schnecken ziemlich schnell, in 25 Stunden ist das Gelege im Boden. Ein Vogel, zum Vergleich, legt ein Ei am Tag.

Und hier bin ich beim nächsten Sprung. Tieren wird oft unterstellt, sie funktionierten nur und alles gehe um Vermehrung. Das ist falsch. In ruhigen Momenten spielen viele Tierarten, etwa Damhirsche, Raben sowieso und vergessen sich momentelang. Oder wie verliebte Schnecken auch gleich einmal länger als 3 Stunden.

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